Cool Girl

Essay / SodaMag / 2020

Obwohl mein Kopf es besser weiß, habe ich manchmal noch romantische Gefühle für das Trinken.

Wie für einen zweifelhaften Exlover, den ich aus guten Gründen verlassen habe, dessen Küsse aber konkurrenzlos sind. Ich habe immer noch nicht herausgefunden, was für Getränke ich an der Bar bestellen kann, die nicht wie was für Kinder rüberkommen. Ich bestelle oft Tonic Water, was viele Barkeeper überraschend stark verwirrt. »Einen Gin Tonic also!« Nein nein, ein TONIC WATER. Tonic ohne Gin ist irgendwie nicht richtig denkbar. Wasser ist auch schlecht, es wirkt irgendwie immer so, als müsse man gleich wieder weg, wolle aber vorher noch allen anderen einen Vorwurf machen. Und alkoholfreies Bier ist, naja, wie in einem Schutzanzug vögeln. Früher habe ich Leute, die alkoholfreies Bier trinken, nicht mal als vollwertige Erwachsene betrachtet. Nach meinen eigenen alten Maßstäben bin ich also sehr, sehr uncool.

Das war mal anders. 2010 verbringe ich meine Tage und Nächte mit coolen Sachen. Ich bin Barkeeperin: das ist schon mal die halbe Miete. Ich rede viel und offenherzig über Schwänze und Brüste und Sex im Allgemeinen. Mit Romantik kann ich nicht so viel anfangen. Ich schlafe mit verheirateten Männern und verlange nichts von ihnen, außer, dass sie bei ihren Frauen bleiben. Ich stelle mich jeden Tag nackt vor den Spiegel und trainiere mein »Männer Ego«, was bedeutet, dass ich mir selbst erzähle, wie hot ich bin. Ich habe offiziell noch nie im Leben über meine Figur nachgedacht, nehme aber trotzdem nie zu. Ich kann sehr viel Bier trinken, ich liebe Gangsterfilme, Boxkämpfe im Fernsehen und und ich finde Mädchen anstrengend und hänge deswegen lieber mit den Jungs rum. Ich sage Sachen wie: »Ich hab so Hunger, ich könnte ein ganzes Schwein essen« oder: »Ich war so gestresst, dass ich mir erstmal einen runterholen musste.« Ich und meine beste Freundin Mike sind in unserer Cool-Girl-Phase: wir spielen coole Jungs in heißen Mädchenkörpern. Wir leben etwa wie Amy.

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Mark